Ulrich Theimann www.theimann.com
  HiFi-Stereophonie Test Sony PCM-F1
Home > Analog > ReVox A 77 > A77 vs PCM Impressum | E-Mail
Revox
A50
Versionen
  HiFi Stereophonie

A76
Versionen
  Funkschau

A77
Versionen
Daten
Sondermodelle
Presse
  HiFi Stereophonie
  HiFi Stereophonie (Dolby B)
  radio tv Service
  Audio
  Diverse
  A77 vs. PCM
Werkstatt
  Umbau zur High Speed

A700
  Funkschau
  HiFi Stereophonie

B760
  Funkschau
  HiFi Stereophonie
Sony Elcaset
Yamaha
Misc_Tech
History
Titelbild Der Sony PCM-F1 inmitten seiner Familie. Alle drei Geräte bilden eine komplette audiovisuelle Anlage. Der Videorecorder (oben) macht Aufnahmen vom Tuner (unten, gleichzeitig IR-Fernsteuerungsempfänger) oder vom PCM-Prozessor (Mitte). Die Bedienungsknöpfe sind in Form und Farbe gut gegeneinander abgesetzt, die Laufwerktasten wirklich blind erfühlbar, kritische Tasten zum Schutz vor Fehlbedienung versenkt.
Der PCM-Prozessor Sony PCM-F1 Test
Er sieht dem Wunschtraum von einem transportablen Cassettenrecorder so ähnlich, aber eines vermißt man dann doch beim näheren Hinsehen : Wo ist das Cassettenfach und wo sind die Laufwerktasten? Alle anderen notwendigen Ausstattungsmerkmale sind vorhanden: Aussteuerungsanzeigen (auch zur Batteriekontrolle), getrennte Aussteuerungssteiler, eine Aufnahme-Mute-Taste, Mikrophon- und Kopfhörerbuchsen, letztere mit Pegelabschwächer. Des Rätsels Lösung: Es fehlt noch der (zweieiige) Zwillingsbruder, das Laufwerksteil SL-F1E bzw. für Profis der SL-2000 (NTSC!). Und dann ist da noch der gehörige Unterschied, daß es sich um Videocassetten dreht und die Aufzeichnung eben in studioähnlicher Qualität digital erfolgt und nicht, wie bei den seltenen netzunabhängigen Compactcassetten-Recordern, in (unnötig stark) eingeschränkter Qualität. Aber ist die Technik mittlerweise wirklich so weit fortgeschritten, daß man sich die Studiotonbandmaschine so locker leicht und über die Schulter(-n) hängen kann?  
Immerhin 2 x 23 Segmente umfaßt die LED-Aussteuerungsanzeige des PCM-F1, und zwar für den Pegelbereich von -50 bis 0 dB. Hinzu kommt ein weiteres Segment als Betriebsbereitschaftskontrolle bei -∞ dB, und weit wichtiger, eine OVER-Anzeige. Da kein Farbwechsel bei der nur grünen LED-Anzeige vorhanden ist, hebt sich hier der rötliche Schriftzug OVER deutlich ab. Während die normale Aussteuerungsanzeige "nur" analog arbeitet, funktioniert die OVER-Anzeige in der digitalen Ebene. Damit können auch die allerkürzesten Impulse, die zur Übersteuerung führen, erfaßt werden (siehe auch Kasten auf Seite 558). Um auch leisere kurze Impulsspitzen als Vorwarnung gut ablesen zu können, ist eine Peak-Hold-Schaltung bei der LED-Kette vorgesehen. Dabei kann man wählen, ob der höchste vorgekommene Anzeigewert "immer und ewig" gespeichert oder nach kurzer Zeit zurückgesetzt wird (AUTO PEAK HOLD).
Um den Ladezustand des Akkus kontrollieren zu können, ist die Aussteuerungsanzeige umschaltbar. Man kann auch einen Wert für die korrekte Abtastung der Videospuren ablesen, um den Tracking-Steller des Recorders abzugleichen. Das ist allerdings keinerlei Ersatz für eine Fehlerratenanzeige (Kasten auf Seite 548). Die Aufnahmepegel sind problemlos für jeden Kanal getrennt einstellbar, auch ist die Einstellung durch die klare Skalierung sehr einfach reproduzierbar. Beides hilft nicht nur bei Mikrophonaufnahmen. Die Mikrophone sind an der Frontplatte anschließbar (Klinken). An einem kleinen Kippschalter wird auf die Hochpegel-Line-Eingänge umgeschaltet (vergoldete Cinch auf der Rückfront).


Stillstandton

Zwei weitere Kippschalter erlauben wichtige Funktionen. Zum einen ist "Digital Copy" möglich, also eine fehlerkorrigierte (!) Kopie eines PCM-Bandes, zum anderen das Abschalten der Mutingfunktion. Diese Funktion kann bei quasiprofessioneller Anwendung helfen. So erlaubt dieser Schalter, auch stark gestörte Bänder doch noch (wenn auch ohne HiFi-Qualität) abzuspielen. Das Gerät schaltet dann bei stark gestörten Digitalcodes nicht mehr ab, sondern "frißt" sich etwas knackend und knatternd durch die Musik. Auch kann man hiermit eine Art Cueing oder - wenn es denn zur Spielerei sein muß - auch "Stillstandton" erzeugen. Das Gerät verarbeitet im ersten Fall auch noch die je nach Recorder mehr oder weniger gestörten Informationen beim Vor- und Rückspulen mit Abtastung; das entspricht also dem Bildsuchlauf beim Videobetrieb. Auch "Standbild"-Abtastung ist möglich. Aber Vorsicht! Dies ist nicht unbedingt lautsprecherfreundlich, begeistert jedoch das Kind im Manne.


Digitale Ruhe gefällig?

Nicht zu verwechseln mit der Mutingfunktion ist die auffällige orange Taste REC-MUTE. Hier hat sich Sony etwas in der Praxis Hervorragendes einfallen lassen. Da man PCM-Bänder ja nicht nachträglich schneiden kann, läßt sich mit dieser Taste - allerdings bei der Aufnahme - der "Dreck" vor und nach einem Aufnahmestück wegblenden. Drückt man REC-MUTE, so hört man zwar über Kopfhörer oder Verstärker das Signal (fast) unverändert weiter, auf das Band wird aber vollkommene digitale Ruhe aufgenommen. Dabei wird digital auf Null geschaltet, analog aber die gesamte Digitalebene umgangen. Man hört sozusagen den Eingangsverstärker direkt. Das ist eine sehr wirkungsvolle Kontrolle übrigens auch dann, wenn man bei der Aufnahme nichts hört und sich auch die Aussteuerungsanzeige nicht regen will. Betätigt man REC-MUTE und hört dann noch etwas und sieht zappelnde Aussteuerungsanzeigen, dann liegt der Fehler nicht auf der Eingangsseite; er beruht dann auf einer fehlerhaften Verbindung zum Videorecorder oder einem defekten (oder nicht eingeschalteten) Recorder. Ganz wie gewünscht funktioniert es allerdings nicht. Während REC-MUTE gedrückt ist, herrscht zwar absolute Ruhe auf dem Band, vorher und nachher gibt es aber einen Knacks.
Das Problem: Es wird extrem plötzlich von Null auf einen Signalspannungswert umgeschaltet oder umgekehrt, und das knackt dann hörbar. Wollte man es besser machen, so müßte ein Schaltkreis analysieren, wann die Signalspannung gerade durch Null geht, um genau dann einzuschalten. Die ideale digitale Rechenschaltung zum weichen Einblenden ist aber (noch?) zu teuer.
 
Innenansicht Elektrisch gibt es zwei Ebenen, die analoge und die digitale. Mechanisch ist das Gerät in drei Printplatten gegliedert. Nach oben herausgeklappt ist die Analogplatte. Auffällig sind die drei hellen großen ICs mit den Kühlelementen im unteren Drittel dieser Platine. Es sind die zwei A/D-Wandler und der für beide Kanäle genutzte D/A-Wandler. Im Gerät sieht man noch die Spannungsversorgung mit den Spannungswandlern und den Stabilisatoren. Rechts erkennt man das Akkumulatorfach.
Innenansicht  
Im unteren Teil des Gerätes befindet sich - fein säuberlich abgetrennt - die Digitalplatine. Auch hier sind natürlich wieder einige Groß-ICs vorhanden. Links vorn außen der 16-kbit-Datenspeicher (- 2 kByte) für den daneben plazierten (noch riesigeren) 42-beinigen Wiedergabe-Datenprozessor. Dieser entwürfelt die Datenwörter, korrigiert zerstörte Informationen und liefert den richtigen Code dann an den D/A-Wandler. Weiter rechts sieht man den schnellen und damit Strom ziehenden Synchronisationsseperator, er ist unter ein kupferfarbenes Kühlelement geklemmt. Hinten ist dann noch der Aufnahmeprozessor, der den Fehlercode generiert und die Daten verwürfelt (Interleaving), als Datenzwischenspeicher dient auch hier wieder ein 16-kbit-IC (halb verdeckt unter dem Kabelbaum). In dem silbernen Kästchen sorgsam geschirmt ist der Wiedergabetaktgenerator, der einerseits sehr stabil arbeiten muß, andererseits sich dem dauernd leicht verändernden Eingangstakt (Videorecorder-Gleichlaufschwankungen) anpassen muß. Im Gerät selbst sind noch der Transformator für den Spannungswandler und die Relaisplatine sichtbar.  

Und die Praxis?

Bei Sony stellt man auch professionelle Studiogeräte her, und dieser Einfluß ist beim PCM-F1 zu spüren. Man weiß offensichtlich um die Nöte des Tonmeisters (auch des Amateur-"Meisters"). Schalter, die man während einer Aufnahme tunlichst nicht betätigen sollte, sind von anderen, die man öfter bedienen muß, abgehoben und sogar versenkt. So geschützt sind COPY, INPUT und REC-MUTE. Anders ist es mit TRACKING, PEAK-HOLD und BATT CHECK, hier darf man sorglos herumspielen und muß es auch zu Kontrollzwecken. Der Kopfhörer hat einen präzisen Abschwächer in 6-dB-Stufen. Diese Stufung ist in der Praxis völlig ausreichend. Wer auf exakte Stereobalance per Kopfhörer achtet, wird die Vorteile gegenüber einem Stereopotentiometer mit seinem schlechten Kanalgleichlauf zu schätzen wissen. Zudem ist die Pegeleinstellung exakt reproduzierbar. Ein weiterer Vorteil sind die zwei entkoppelten Cinch-Videoausgänge (getrennte Ausgangsverstärker!). Bei Aufnahmen sind also problemlos 2 Recorder anschließbar (für Kontrollwiedergaben muß man allerdings die Wiedergabeleitung umstecken). Dies haben wir genutzt, um gleichzeitig Aufnahmen auf VHS und Betaformat zu machen. Damit ist eine Sicherheitsaufnahme vorhanden, falls sich Drop Outs oder andere Fehler einschleichen. Bei DIGITAL COPY ist allerdings nur ein Ausgang eingeschaltet. Das verhindert digitale Rückkopplungserscheinungen über das abspielende Gerät, solange dieses noch auf Stop steht. Man hat hier an die armen Ohren und Lautsprecher gedacht.
Während des Digital-Copy-Vorganges ist die Musikqualität am Line-Ausgang übrigens entgegen der Bedienungsanleitung nicht leicht gestört. Hier ist bei Sony wohl ein kleiner Fehler unterlaufen.
Eine Anzeige Copy Prohibiting wird einige Anwender verwundern. Damit professionell hergestellte PCM-Bänder nicht so einfach kopiert werden können (was ja ohne Qualitätsverlust möglich ist), wird bei allen PCM-Prozessoren die Digital-Copy-Funktion abgeschaltet, wenn ein besonderer Digitalcode in der ersten Video-Bildzeile gesetzt ist. Am Sony-Prozessor wird dieser Kopier-Schutz angezeigt. Man kann natürlich ein solches Band direkt von Recorder zu Recorder kopieren. Probieren Sie es ruhig aus, sie werden - weil die Fehler halt nicht korrigiert werden - von der "Qualität" der Direkt-Kopie "begeistert" sein, speziell, wenn es ein 16-bit-Band ist.


14 oder 16 bit?

Neben den drei Video-Cinchbuchsen findet man noch einen kleinen Schiebeschalter. Hier zeigt sich eine Besonderheit des Sony PCM-F1: neben dem bei anderen Prozessoren üblichen 14-bit-Betrieb kann hier auf die genauere 16-bit-Auflösung umgeschaltet werden. Damit vermindern sich das Quantisierungsrauschen und die Verzerrungen, zumal bei kleineren Lautstärken. Die auf dem Sony-Gerät aufgenommenen 16-bit-Bänder sind übrigens problemlos mit 14-bit-Prozessoren anderer Hersteller abspielbar. Die 16-bit-Aufzeichnungsmöglichkeit wurde nämlich bereits im EIAJ-Standard verankert. Aber jede Sache hat leider auch ihren Haken. Bei 16-bit-Betrieb wird der Speicherplatz für die zusätzlichen 2 bit gewonnen, indem man auf das Q-Fehlerkorrekturwort verzichtet. Die am Digital/ Analogwandler bestimmte Fehlerrate ist daher bei 16-bit-Aufzeichnungen wesentlich höher und kann in der Praxis die Freude an der besseren 16-bit-Qualität verleiden. Es hilft die Verwendung eines guten und gepflegten Recorders und eines hochwertigen Bandes mit geringer Drop-Out-Häufigkeit (z. B. die teureren High-Grade-Bänder, siehe hierzu die aktuellen Tests in unserer Schwesterzeitschrift VIDEO SPEZIAL mit dem im HiFi-Stereophonie-Testlabor speziell entwickelten Drop Out Counter). Die Frage: Wann 14 bit, wann 16 bit? habe ich für mich so gelöst: Wenn ich eine Aufnahme nicht wiederholen kann (Live oder Rundfunk), verwende ich 14 bit, das gilt auch immer dann, wenn ich die Aufnahme mit ausreichender Sicherheit kopieren möchte oder einen nicht optimalen Recorder zur Verfügung habe, womöglich mit einem Einfach-Band. Kann ich die Aufnahme wiederholen (Aufnahme von CD oder black disc), so kann ich 16 bit verwenden (das wäre allerdings für die normale schwarze Schallplatte eine unnötig hohe Qualität). Inwieweit sich der 16-bit-Betrieb wirklich lohnt, zeigen die Meßergebnisse.
 
Rückansicht Sowohl für die Ton- als auch für die Bild-Ein- und Ausgänge werden Cinchbuchsen verwendet. Zu beachten ist der 14-16-bit-Umschalter für die Quantisierungsstufung. Für die Spannungsversorgung gibt es eine 5-polige "DIN"-Buchse, deren spezielle Polanordnung auf der 4-poligen DIN-Version basiert, aber um einen zentralen Pol ergänzt wurde.


Akkubetrieb

Das Akkufach ist leicht zugänglich. Der Akku wird einfach in das Gerät hineingeschoben und rastet ein. Auf Tastendruck springt er dann wieder heraus. Laut Sony reicht eine Ladung für 1 h, wir haben jedoch auch schon längere Zeiten geschafft. Zum Laden und für direkten 220-V-Betrieb ist ein externes Netzteil vorhanden. Ein Autoversorgungsteil ist vorgesehen. Aufpassen muß man übrigens, wenn man seine HiFi-Anlage per Hauptschalter ausschaltet; der PCM-F1 bleibt angeschaltet und "frißt" Akkuladung. Nebenbei: Ideal wäre es, wenn der PCM-F1 verzögerungsfrei von Netz- auf Akkubetrieb umstellen würde. Aber bei Netzausfall gibt es auch hier erst einmal eine Pause.


Der zweieiige Zwilling

Äußerlich dem PCM-Adapter sehr ähnlich ist der Videorecorder SL-F1E, der auf die Erfordernisse der Tonaufnahme hervorragend abgestimmt ist. Er verfügt über Assemble-Schnittstart, was für PCM sehr empfehlenswert ist. Als Betarecorder fädelt er das Band zum Umspulen nicht extra aus, was viel Zeit beim Rangieren spart. Das Bandzählwerk arbeitet in h:min:10s. Es gibt dabei schlupffrei (!) die durchgelaufene Bandzeit an. Allerdings nur die der bespielten Bandstücke, weil die Synchroimpulse gezählt werden. Eine echte Zeitanzeige ist natürlich ideal. Die Nachteile dieser Ausführung sind aber:

  1. Es kann keine definierte Bandlänge am Bandanfang vor einer Aufnahme umgespult werden (man soll die ersten "miesen" Meter wegen starker Drop Outs nicht für PCM benutzen).
  2. Man findet eine Bandstelle nicht mehr wieder, wenn man auf dem Bandstück davor etwas herausgelöscht oder ergänzt hat.
  3. 10-s-Einheiten sind für Audio oft genug sehr lang. Man wünscht sich ein sehr genaues Zählwerk für das Aneinanderfügen von Aufnahmen usw.

Es störte bei einigen Aufnahmen, daß das Bandzählwerk automatisch auf Null gesetzt wird, auch wenn das Band nur zwischenzeitlich herausgenommen oder das Gerät zur Schonung des Akkus ausgeschaltet wird. Der "Go-To-Zero"-Knopf ist ungünstig angeordnet. Man nutzt ihn gerne, um automatisch nach Null umzuspulen. Leicht tippt man allerdings auf den "Reset'-Knopf; der liegt nahe daneben. Dann ist man zwar auch bei 0:00,0, aber... Oft ist es notwendig, daß das Bandzählwerk auch in dunkler Umgebung abgelesen werden kann. Eine Dauerbeleuchtung bei Netzbetrieb oder auch eine automatisch abschaltende Beleuchtung bei Akkubetrieb wären kein übertriebener Luxus, man kann schließlich nicht immer den Finger auf dem Druckknopf halten. Vermißt haben wir auch eine Akku-Restlaufzeit-Vorwarnung.
Ergänzt wird dieses Gerätepaar eigentlich noch durch einen Dritten im Bunde, den Fernsehtuner mit Infrarot-Fernbedienungsteil für den Recorder. Für wechselweises Fernsehen und HiFi-Hören benötigt man dann noch einen Videoumschalter. (Es ist nur zu hoffen, daß es dann keinen Familienstreit um Video oder Audio gibt.)

 
Ergebnisse unserer Messungen
Sony PCM F-1  
Bandgeschwindigkeit und Bandsorte Video-Schrägspur  
       
Klangliche Eigenschaften      
       
Gleichlaufschwankungen     10 Punkte
nur Wiedergabe, bewertet vernachlässigbar  
Eigenaufnahme, bewertet, DIN vernachlässigbar  
Eigenaufnahme, linear vernachlässigbar  
       
Geschwindigkeitsfehler
(Instabilität, Drift, Schlupf)
abhängig vom Videorecorder, üblicherweise sehr gering  
       
Frequenzgänge < 10 Hz bis ca. 20,5 kHz 10,5 Punkte
       
Dynamik (*) 14/16 bit-Quantisierung    
Fremdspannungsabstand 81/87 dB    
Ruhegeräuschspannungsabstand 82/89 dB    
Höhendynamik 14 kHz 76/83 dB    
1 kHz, nach Gehör, gemittelt 80/85 dB    
       
Aussteuerungseigenschaften     9 Punkte
Anzeige bei 6 dB unter Begrenzung (400 Hz) - 6 dB    
       
Höhenaussteuerbarkeit 14 kHz (*) - 6 dB    
       
Veränderung des Obertongehaltes
    10 Punkte
(bei Anzeige 0 dB) ca. 0 dB    
       
Ubersteuerungseinsatz bei kritischem, 0 dB Anzeige bzw. OVER  
sehr kritischem Programm - 1 dB Anzeige bzw. OVER    
       
Eingänge /Ausgänge     3 Punkte
       
Eingang Mikrophon Line  
Empfindlichkeit (*), Impedanz - 57 dBV, 10 kΩ - 12 dBV  
äquivalenter Fremd-/Geräuschpegel -128/-132 dBV -95/-100dBV  
Rausch-/0bersteuerungsgrenze -41/+2dBV -7/>+16dBV  
       
Ausgang Kopfhörer Line  
Ausgangspegel (*), Impedanz + 9 dBV, 150 Ω - 2 dBV  
max. unverzerrt an 8/400 Ω 10/45 mW    
       
Allgemeine Betriebseigenschaften     5 Punkte
       
Umspulgeschwindigkeit (Sl-FE) relativ zur Wiedergabegeschwindigkeit 49fach    
Umspulzeit für L750 Cassette 240 s    
       
Gesamtbewertung (14/16 bit)   79/81 Punkte
  (entsprechend der üblichen Auswertung für Tonbandgeräte!)  
       
Ungefährer Ladenpreis ca. 4000 DM    
  (zuzüglich geeignetem Videorecorder!) komplett mit SL-F1E, Netz-/Ladegerät und 2fachem Akkusatz ca. 7000 DM  
(*) Als Aussteuerungsbezugswerte gelten bei PCM-Geräten 6 dB unter Begrenzung, im Hochtonbereich (10 und 14 kHz) vermindert sich dieser Wert ähnlich den weniger strengen analogen Aussteuerungskriterien auf 3 dB unter Begrenzung. Diese Werte entsprechen damit in der praktischen Anwendung weitgehend den bei unseren Tests an analogen Bandgeräten verwendeten Aussteuerungsgrenzen.

Unsere Meßergebnisse

Die Laufwerkdaten und die Frequenzgänge verdienen ebensoviel Lob wie die entsprechenden Werte beim Sanyo Plus 5. Das soll hier nicht noch einmal alles wiederholt werden. Die Dynamikwerte lassen alle Besitzer von Spulentonbandgeräten vor Neid erblassen. Um etwas Ähnliches zu bieten, muß man dann schon eine schwergewichtige First-Class-Studiomaschine mit Telcom-C4-Kompandersystem verwenden. Allerdings, wenn man nicht allein auf das niedrige Störgeräusch "abfährt", sondern sich auch noch um die Signalqualität bei schwacher Aussteuerung bemüht, dann kann ein HiFi-Spulentonbandgerät mit Dolby-B durchaus noch mithalten, wie unsere ausführlichen Daten aus HiFi-Stereophonie 2/83 zeigten. Erst bei 16-bit-Betrieb zieht der PCM-Prozessor nämlich mit der alten Revox A77 Dolby gleich. Bewertet man jedoch auch die genauen Verzerrungsdaten (2/1983), dann ist das Analoggerät unterlegen, in diesem Fall auch schon bei 14 bit. Der riesige Qualitätssprung, den man sich anhand erster Informationen erträumt hatte, ist aber nicht vorhanden. Obwohl die Aufnahme-Preemphasis beim Sony-Gerät nicht abgeschaltet werden kann, ist die Höhendynamik gegenüber dem Sanyo mit abgeschalteter Emphase überlegen.


(16-2) bit = 14 bit spezial!

Der Unterschied zwischen 14 und 16 bit beträgt theoretisch (im Idealfall) 12 dB in der Dynamik bzw. in den Verzerrungen. Beim Sony PCM-F1 wurden ca. 7 dB für die Dynamik und 0 bis 2 dB für die Verzerrungskomponenten gemessen. Das bedeutet, daß die Qualität einer 16-bit-Quantisierung (natürlich) nicht voll ausgenutzt wird, hierzu müßten A/D- und D/A-Wandler supergenau sein. Wesentlich ist aber, daß ein 16-bit-Wandler, wenn man ihn nur zu 14 bit ausnutzt, diese 14 bit mit einer größeren Wahrscheinlichkeit exakt verarbeitet als ein "nur"-14-bit-Wandler oder gar ein erweiterter 12-bit-Wandler. Gemäß den Daten - insbesondere den Verzerrungswerten - und dem Höreindruck scheint mir der 16-bit-Betrieb hier kaum einen Vorteil zu bieten. Die verminderte Sicherheit gegen Drop Outs und die hierdurch bedingten höheren Störungen wiegen den meßtechnisch um 7 und gehörmäßig um 5 dB größeren Dynamikumfang nicht immer auf (siehe auch die allgemeinen Erklärungen in HiFi-Stereophonie 9 und 10/82 sowie die ausführliche Darstellung der Einzelmeßergebnisse von 5 PCM-Prozessoren im Vergleich mit einem Analoggerät in 12/82 und 2/83).


Eine Meisterleistung

Als ich die Daten des Mikrophoneingangs bestimmte, wollte ich zuerst meinen Augen und dann den Meßgeräten nicht trauen. Es handelt sich hier um den besten Mikrophoneingang, den ich bisher gemessen habe, zumindest was nicht umschaltbare und nicht mit Symmetriertrafo versehene Eingänge angeht. Man benötigt hier zwar mindestens 9 mV, um die Dynamik über Band (16 bit!) voll auszunutzen. Aber man muß bedenken, daß dieses 87 dB Fremd- und 89 dB Geräuschspannungsabstand bedeuten. Sanyo Plus 5 benötigt zwar 4 dB weniger Pegel, das aber für ca. 14 dB weniger Dynamik! Ganz wesentlich ist die Übersteuerungssicherheit dieses Mikrophoneingangs; sie liegt bei 1,2 V, in Worten: einskommazwei Volt! Bei einem "lauten" dynamischen Mikrophon (2 mV/Pa) bedeutet das einen maximal möglichen Schalldruck von 140 dB, für ein extremes Studiomikrophon (HF-Kondensator-Mikrophon mit 40 mV/Pa) 114 dB. (Sollte man allerdings mal eine Explosion "naturgetreu" aufnehmen wollen, so sei auch hier ein Vorteiler angeraten.)
Der Cinch-Eingang ist zwar besser als beim Sanyo-Prozessor, liegt jedoch auch hier an der Empfindlichkeitsgrenze. Für das durch die Digitaltechnik gesteckte Ziel ist er nicht ausreichend störungsarm. Sony sollte den Vorteilerwiderstand verkleinern, damit die 16 bit auch wirklich in einer HiFi-Anlage ausgenutzt werden können (bei 14 bit ist der Eingang ausreichend gut).
Auch wenn es nicht so aussieht, der Sony- und der Sanyo-Prozessor wurden beide gemessen. Die Daten der Kopfhörerausgänge sind wirklich (bis auf den Pegelsteller) gleich. Die Daten entsprechen den hier zu stellenden hohen Ansprüchen voll.


Aussteuerung für Laien verwirrend

Die Aussteuerungsskala reicht bis 0 dB und hat keinen Vorlauf. Das bedeutet, daß man ganz anders aussteuern muß als bisher bei einem Tonbandgerät. Das, was bei einem Tonbandgerät 0 dB ist, also die normalerweise angepeilte Aussteuerungsgrenze, sollte man beim PCM-F1 auf -6 dB legen. Die Bedienungsanleitung rät, den Aufnahmepegel üblicherweise auf - 15 dB zu legen. Gemeint ist wohl der maximale Aufnahmepegel (welcher sonst?, der mittlere???). -15 dB ist natürlich falsch, das würde nämlich den Dynamikvorteil gegenüber einem Analoggerät wieder völlig verschenken. Das grau hervorgehobene Feld der Aussteuerungsanzeige von - 15 dB bis 0 dB gibt den sinnvollen Bereich für die Spitzenpegel an. Üblicherweise sollte man -6 dB als Richtwert "anpeilen". Der Spitzenpegel sollte ja möglichst hoch liegen, die 0-dB-Schwelle aber nie überschreiten. Ich stimme hier mit Sony nicht überein, die entsprechend der Bedienungsanleitung kurzzeitige Übersteuerungen (Aufleuchten der OVER-Anzeige) als unkritisch darstellen. Dies würde nämlich einen möglichen Hauptvorteil der Digitaltechnik wieder zunichte machen, und zwar gerade die Verzerrungsarmut bis hin zu höchsten Pegelspitzen. Ansonsten sind die Aussteuerungsanzeigen hochwertig. Es sind sehr schnelle Spitzenwertanzeigen mit Höhenanhebung, die Rücklaufzeit ist VU-Meter-ähnlich, etwas kurz, aber noch ausreichend, insbesondere im Zusammenhang mit der PEAK-HOLD-Möglichkeit.


Zu guter Recorder

Im Betriebstest verhielt sich der PCM-F1 - wie schon beschrieben - sehr gut. Es gab jedoch eine Ausnahme. Während der PCM-F1 in den vorangegangenen Testteilen den Sanyo Plus 5 immer klar distanzieren konnte, was die Empfindlichkeit gegenüber Tracking und Drop-Out-Schwierigkeiten des Recorders anging, so fand doch auch einmal der PCM-F1 im Sanyo Plus 5 seinen Meister. Zusammen mit einem Videorecorder ('VHS), der hervorragende Videobilder liefert, einen ausgedehnten Videofrequenzgang fast ohne Abfall bis 2,5 MHz hat und bei -6 dB sogar noch 3,1 MHz schafft, streikte der Sony-Prozessor. Ihm schien der Videopegel - obwohl richtig bzw. sogar gut - bei höheren Videofrequenzen zu hoch zu sein. Die Trackinganzeige zeigte nur schwach an und reagierte mit einem Anstieg, wenn man den Videopegel mutwillig verminderte. Mit diesem Trick konnte man dann doch noch eine Wiedergabe erreichen, die aber zeitweise nur Kurz oder Mittelwellenqualität entsprach. Der Sanyo Plus 5 meisterte dieses Videosignal, abgeschwächt oder mit Originalpegel, ohne jedes Ansprechen der Fehlerkorrektur-LEDs und ohne hörbaren Fehler. Der Stein der Weisen - was die Umwandlung des Videosignals zurück in einen seriellen Digitaldatenstrom angeht - ist also noch nicht gefunden.
 
Laufwerktasten Lassen sich blind erfühlen: (Laufwerktasten des zum PCM-F1 gehörigen Sony-Recorders SL-F1E

Fazit

Der Sony PCM-F1 hinterließ einen ausgezeichneten Eindruck. Mit 2 x 4,5 kg (inklusive Recorder) ist es ein gut transportables und netzunabhängig nutzbares Aufnahmesystem höchster Qualität. Es ist zwar auch hier aufgrund von Fertigungsstreuungen nicht prinzipiell gesichert, daß alle PCM-F1 so verzerrungsarm arbeiten wie im Test beschrieben. Immerhin konnten die Daten aber an zwei Geräten überprüft werden. Vorteilhaft gegenüber anderen Prozessoren ist der gleichzeitig nutzbare Aufnahme- und Wiedergabeteil. So ist eine Hinterdigitalkontrolle möglich. Das Signal kann inklusive aller (geringen) digitalen Klangeinbußen (bis auf die erhöhte Fehlerrrate über Band) beurteilt werden. Ein Wermutstropfen ist die nicht befriedigende Tracking-/Fehlerratenanzeige, dies insbesondere zusammen mit einer Eingangsschaltung, die nicht immer alle Videorecorder-Signale akzeptiert. Mit einem Sony-eigenen Recorder gab es jedoch keine Schwierigkeiten (wenn auch bei PAL 16-bit-Betrieb aufgrund zu hoher Drop-Out-Fehler nicht immer zu empfehlen ist). Mit den bei diesem Test benutzten Beta-Recordern, insbesondere aber mit dem Sony SL-F1E, habe ich mich so anfreunden können, daß ich - zumindest für PCM-Anwendung - die sonst benutzten VHS-Geräte in die Ecke verbannen möchte. Die Laufwerkbedienung ist vergleichbar mit üblichen Tonbandgeräten, speziell was das Rangieren angeht. Ein weiterer Vorzug: Der SL-F1E ist ergonomisch gut gestaltet. Auch der "Click-In"-Akkuaustausch hat mir gefallen: Mit nur einer minimalen Pause lassen sich so auch längere "OFF-ROAD"-Aufnahmen aufs Band bannen. Profis sei übrigens wegen der verminderten Drop-Out-Gefahr die NTSC-Version des PCM-F1 empfohlen, die dann zusammen mit dem passenden NTSC-Recorder Sony SL-2000 verwendet wird. Eine andere Profi-Lösung wäre (wenn es unbedingt PAL sein muß), einen professionellen Recorder zu verwenden (PAL U-Matic).

a.k.
 
Die digitale OVER-Anzeige

Bei digitalen Systemen sollte eine (auch kurzzeitige) Übersteuerung mit Sicherheit vermieden werden, da sie ähnlich wie bei einem modernen Verstärker sofort zu einer auffälligen Verzerrung führt. Das übliche analoge Tonbandgerät ist in dieser Hinsicht sehr viel weniger kritisch, so daß dort die Anforderung an eine Aussteuerungsanzeige andersartig sein müssen. Die sinnvollste Methode, solche digitalen Übersteuerungen anzuzeigen, besteht darin, daß man überprüft, ob das höchste (oder fast höchste) digital darstellbare Codewort (Zahl, Spannungswert) erreicht wird. Ein digitaler Schaltkreis überprüft die Codewörter und schlägt Alarm, wenn er einen entsprechenden Code findet. Da ein solches Codewort sich bereits nach 1/44000 s wieder ändert, hält ein weiterer Schaltkreis diesen Alarmzustand für ca. 1 s lang aufrecht und läßt dabei eine Warnleuchte ansprechen.
Damit eine solche Kontrollanzeige auch noch bei einer bereits fertigen Aufnahme genutzt werden kann, befindet sich diese Anzeige bei Geräten mit getrenntem Aufnahme- und Wiedergabeteil im Wiedergabekreis. Bei Aufnahme wird der Wiedergabeteil auf dem Umweg über den Videorecorder (aber natürlich hier nicht über das Band) mit dem digitalen Datenstrom versorgt.
Wenn man eine Überschreitung der 8 wichtigsten bits überprüft, so setzt die OVER-Anzeige weniger als 0,04 dB vor der wirklichen Begrenzung ein. Überprüft man nur die 4 obersten bits, so wird man bei -0,56 dB vorgewarnt.
Um sicher zu gehen, daß keinerlei Qualitätseinbuße erfolgt, ist eine solche OVER-Anzeige sehr empfehlenswert. Analoge Anzeigen können nur bei extremem Aufwand so schnell ansprechen. Auch kann sich durch das Aliasingfilter und eventuelle Rechenschaltungen (digitale Filter bei Oversampling) eine andere zeitliche Struktur des Signals ergeben. Vor den hierbei entstehenden Impulsspitzen könnte eine in der analogen Ebene arbeitende Anzeige nie warnen.
Andererseits sollte eine Anzeige auch (etwas) das Lautstärkeempfinden berücksichtigen. Aussteuerungsanzeigen sind daher immer ein Kompromiß. Ideal kann es sein, die Anzeigen aufzuteilen. Eine exakte Anzeige zum genauen Aussteuern und damit zum vollen Ausnutzen des Speichers und eine andere, um die Lautstärke von Stück zu Stück (etwas) besser abstimmen zu können. Die OVER-Anzeige des PCM-Prozessors Sony PCM-F1 ist ein Schritt in diese Richtung.
 
aus: HiFi Stereophonie, Heft 5/1983, Seite 554ff  
PCM im Vergleich
Fünf PCM-Prozessoren und ein Analog-Bandgerät mit Dolby-B-NR
12/82 PCM im Vergleich Teil I

2/83 PCM im Vergleich Teil II

3/83 Der Sprung über den Analogschatten (Diskussion Jecklin/Klingelnberg)

4/83 PCM im Vergleich Teil III

4/83 Vergleich Analog-PCM: Eine Widerrede (Diskussion Jecklin/Klingelnberg II)

5/83 Revox A77 2-Spur Dolby Punktebewertung

5/83 Test Sanyo Plus 5

5/83 Test Sony PCM-F1

8/83 Diskussion digitaler Aufnahmetechniken, Leserzuschriften Püllmanns, Mahne
weiter zu: Diskussion digitaler Aufnahmetechniken, Leserzuschriften Püllmanns, Mahne >

Herzlichen Dank an die Motorpresse Stuttgart für die Erlaubnis, diesen Artikel hier zu veröffentlichen.
 
 
Home > Analog > ReVox A 77 > A77 vs PCM Impressum | E-Mail
spacer